Historie
125 Jahre Friedhof Bergstedt
Seit
um 1600 das Kirchspiel Woldenhorn (heute Ahrensburg) von Bergstedt
abgetrennt worden war, umfasste das Kirchspiel Bergstedt folgende
Dörfer:
Lemsahl-Mellingstedt, Duvenstedt, Wohldorf-Ohlstedt, Wulksfelde,
Rade, Tangstedt, Wilstedt, Hoisbüttel, Volksdorf, Sasel,
Bramfeld, Wellingsbüttel, Poppenbüttel und Glashütte.
Für dies umfangreiche Kirchspiel gab
es nur eine Begräbnisstätte; das war der
Kirchhof um die Kirche und in alter Zeit auch das Kircheninnere.
Schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts sah man sich gezwungen,
einen Teil des Pastoratgartens für eine Erweiterung zu verwenden.
Aber nach wenigen Jahrzehnten entschloss sich der Kirchenvorstand zur Anlage einer neuen Begräbnisstätte. Da der alte Kirchhof nicht mehr erweitert werden konnte, musste Land in der Nähe der Kirche gefunden werden.Und so kam es 1863/64 zum Kauf eines ca. 20.000 qm großen Stückes Ackerland an der Landstraße, welches im Volksmund "Osterkamp" genannt wurde. Der alte Name hat natürlich nichts mit Ostern zu tun, sondern bedeutet einfach "Land im Osten des Dorfes". Nachdem das Gelände planiert und drainiert war, wurden zahlreiche Linden als Alleen angepflanzt, von denen jetzt noch große Exemplare vorhanden sind. Im Frühjahr 1868 - also vor 125 Jahren - waren die Arbeiten vollendet und der Friedhof konnte seiner Bestimmung übergeben werden.
Am 28. Juni 1864 fand die erste Bestattung statt. Man trug eine junge Frau
aus Wilstedt zu Grabe. Noch im selben Jahr wurden 37 Erwachsene und 33 Kinder
beerdigt. Da es aber auf dem neuen Friedhof kein Gebäude gab,
fand jetzt die Trauerfeier am offenen Grabe statt,
was für die Teilnehmer bei schlechter Witterung oft recht unangenehm war.
47 Jahre lang musste man sich mit diesem Zustand behelfen,
bis endlich 1911 auf dem Friedhof eine Kapelle gebaut wurde, die 1928
um eine Leichenhalle erweitert wurde, deren Obergeschoss zu einer Empore
wurde, so ein Harmonium Platz fand.
Wenn auch inzwischen in Bramfeld und Tangstedt neue Kirchen erbaut,
Friedhöfe angelegt und die neuen Gemeinden verselbstständigt wurden,
so nahm die Einwohnerzahl im alten Bergstedter Kirchspiel ständig zu,
so dass man sich 1935 zu einer Friedhofserweiterung entschloss.
Man kam mit dem Bauern Heinrich Siemers (Eigentümer der Bauernvogthufe)
und Adolf Meyer überein, Landstücke, die unmittelbar an das
Friedhofsgelände anschlossen, zu erwerben, so dass nun der Friedhof
um 27.000 qm erweitert, also mehr als verdoppelt werden konnte. Nachdem in den
Jahren 1937/1938 die gärtnerischen Anlagen fertig gestellt waren, konnte
1938 diese Friedhofserweiterung mit den ersten Grabstätten belegt
werden.
Als im letzten Kriege nach den Bombenangriffen im Juli 1943
die Menschen, die ihre Wohnungen verloren hatten, in die Randgebiete
der Stadt flüchteten, verdoppelte sich die Einwohnerzahl in unseren Orten
und nun war der Friedhof abermals zu klein geworden, obgleich, wie z. B.
in Wohldorf-Ohlstedt ein kommunaler Friedhof zur Verfügung stand.
Man nahm auch in Bergsted Verhandlungen mit Grundstückseigentümern
auf, deren Ländereien für eine Erweiterung des Friedhofs geeignet
waren. Aber die Verhandlungen zogen sich bis in die Nachkriegszeit hin.
Erst im Jahre 1947 konnte eine Erweiterung um 38.500 qm erfolgen,
die schon bald der Benutzung übergeben werden konnte.
Längst hatte sich auch die Friedhofskapelle als zu klein erwiesen;
ihr Standort entsprach auch nicht mehr dem nunmehr größeren Friedhof
und verfügte nicht mehr über die erforderlichen Nebenräume.
Im jahre 1956 erhielt der Volksdorfer Architekt Walter Ahrendt den
Auftrag für eine neue Friedhofskapelel, in welcher rd. 200 Teilnehmer
bei Trauerfeiern Platz finden. Am 18. April 1957 konnte dieser Bau in
Benutzung genommen werden. Inzwischen konnte für die Zwecke der
Friedhofsverwaltung ein Anbau angefügt werden, der sich harmonisch den
älteren Baulichkeiten anpasst.
Der Bergstedter Friedhof ist für zahlreiche Familien unserer Heimat die
letzte Ruhestätte geworden. So finden wir die Gräber von Geistlichen
und Persönlichkeiten, deren Leben im Kirchspiel eine Rolle gespielt haben.
Aber auch an eine dunkle Zeit in Deutschland erinnert der Bergstedter
Friedhof, denn hier fanden unglückliche Opfer des Frauenkonzentrationslagers
Sasel ihre Ruhestätte, bevor die sterblichen Überreste nach Ohlsdorf
umgebettet wurden.
Noch heute sind sieben Familien im Besitz ihrer Grabstätte, deren Vorfahren
am 28. Juni 1864 die Nutzungsrechte für eine Grabstätte erworben haben.
So bildet der Bergstedter Friedhof eine Stätte der Rückerinnerung, ein Ort, der uns nachdenklich stimmt.
Alf Schreyer

